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Beschreibung
La casa de Bernarda Alba
Titel: Laura la Risa
Status: Anmeldeschluss vorbei
Beginn: Samstag, den 13. September 2014 um 20:00 Uhr
Preis: € 15,00 pro Person
Ermäßigt: € 12,00 pro Person

 

Echsen

Zu den Reptilien gehörende Gruppe von Lebewesen. In wärmeren Gebieten lebende, wechselwarme, Eier legende Kriechtiere mit mehr oder weniger vollständig ausgebildeten Gliedmaßen und meist schuppiger Haut, die regelmäßig abgeworfen und erneuert wird. Echsen haben – ähnlich wie Menschen – unterschiedliche Persönlichkeiten. Manche sind eher Einzelgänger, andere sind ausgesprochen sozial.

 

Nachdem ihr Mann stirbt, verordnet Bernarda Alba sich selbst und ihren Töchtern eine achtjährige Trauerzeit. Diese sollen die jungen Frauen nutzen, um an ihrer Aussteuer zu arbeiten und sich im abgeriegelten Haus zu betätigen. Die Wünsche und Sehnsüchte der Schwestern richten sich allerdings auf das Leben außerhalb des Hauses, auf alles, was ihnen verwehrt wird und vor allem auf die Liebe. In der Hitze des Sommers und des Hauses ersticken die Frauen an sich selbst. Nur Josefa, Bernardas verrückte alte Mutter, lebt radikal offen ihren Wunsch nach Freiheit und Liebe aus. Alle anderen verzehren sich vor Neid auf die älteste Schwester Angustias, die trotz der Trauerzeit verheiratet werden soll.

Doch auch Adela provoziert mit ihrer heimlichen Affäre. Vor lauter Missgunst ihrer Schwester gegenüber und dem eigenen Verlangen nach einem Mann versucht Martirio, die Bande zwischen Adela und deren Liebhaber zu sprengen. Als Bernarda wutentbrannt die verbotene Liebe zerstört, sieht Adela für sich als Perspektive nur mehr das stickige Haus der Mutter. Sie entflieht dem Elend und verlässt die Familie auf tragische Art und Weise.

 

Federico García Lorca

Geboren 1898 in Fuente Vaqueros, Spanien. Studium der Rechtswissenschaften und der Literatur in Granada und Madrid, wo er Freundschaften zu Salvador Dalí, Luis Buñuel und anderen schließt. Bereits während des Studiums erste Theaterstücke. 1932 Gründung der

Theatergruppe „La Barracca“, mit der García Lorca ausgedehnte Tourneen durch das ganze Land unternimmt, um das klassische spanische Theaterrepertoire auch in ländlicheren Gegenden zu zeigen. Reisen durch Lateinamerika und nach New York, wo der Autor an der Columbia University studiert und Vorträge hält. Während er in Südamerika und in Deutschland Erfolge erzielt, wird er im konservativen Spanien für seine gesellschaftskritische Haltung und sein Werk heftig kritisiert. Am 19. August 1936, zu Beginn des spanischen Bürgerkriegs, wird García Lorca von einer Falange-Milizgruppe verhaftet und anschließend hingerichtet.

 

Laura la Risa

Flamencotänzerin und Choreographin. Seit 1995 konzipiert und inszeniert sie regelmäßig Flamenco-Tanztheaterstücke mit professionellen Tänzern und Musikern, sowie mit Laien. 2005 gründet sie das Flamenco-Zentrum a compás, in dem sie unterrichtet und neben Flamenco-Tablaos verschiedene andere Kulturveranstaltungen organisiert. In der Spielzeit 2013/14 zeigt sie mit Mitgliedern ihrer Compañía und Schülern des a compás ihre aktuelle Inszenierung „La Casa de Bernarda Alba“ nach Federico García Lorca. Musikalisch begleitet wird das Stück von Johannes Hoffmann.

 

Regie & Choreographie Laura la Risa

Bühne & Kostüme Laura la Risa, Nina la Kristina, Ursula Übersohn

Komposition & Musik Johannes Hoffmann

Maske Wolfgang Hingst

 

Mit Laura la Risa als Bernarda Alba, Renata Britvec, Kahina Chebbouk, Susanne Erlach, Tommy Franken, Sylvia Kosche, Beate Mitzlaff, Karin Preisser, Erik Steiner, Ursula Übersohn, Konstanze Uhlig

www.laura-la-risa.de

 

Kritik aus „Anda“ – Zeitschrift für Flamenco – Ausgabe Juni/Juli 2014:

Seit zwanzig Jahren konzipiert und inszeniert Laura la Risa regelmäßig Flamenco-Tanztheaterstücke mit professionellen Tänzern und Musikern sowie mit Laien, ihren Schülerinnen und Schülern. Zur Premiere des aktuellen Stückes „La Casa de Bernarda Alba“ nach Federico Garcia Lorca, war das Haus voll. Flamencogitarrist Johannes Hoffmann schrieb die Musik und stimmte das Publikum mit einer Martinete und anschließender Siguiriya auf Trauer und Verzweiflung ein. Seine Gitarre klingt erdig und puro, sie kratzt am Fundament gesellschaftlicher Zwänge. Schwarze Kleider bewegten sich vor dunklem Hintergrund. Eine düstere, erzkonservative Stimmung durchflutete in Sekundenschnelle den Raum: Bernarda Alba verordnet nach dem Tod ihres Mannes sich selbst und ihren Töchtern eine achtjährige Trauerzeit. Doch die Wünsche und Sehnsüchte der Mädchen richten sich trotz ihrer Trauer auf das Leben außerhalb, auf alles, was ihnen verwehrt wird und vor allem auf die Liebe. In der Hitze des Sommers und des Hauses ersticken die Frauen an sich selbst. Ihre unterdrückten Gefühle bahnen sich in Neid und Missgunst den Weg an die Oberfläche und steigern sich bis zum tragischen Höhepunkt, an dem eine der Schwestern ihr Leben lässt.

Laura la Risa selbst spielt Bernarda. Mit grau besprühten Haaren, gepudertem Gesicht und böser Mimik erzeugt sie Widerwillen, sät Boshaftigkeit und erntet Hass. Die Tänzerinnen und Tänzer sind auf einigen sichtbaren Hautpartien mit reptilienhaft, schuppig wirkender Farbe bemalt. Schwarz ist und bleibt jedoch die Grundstimmung des Stückes. Lediglich ein bunter Hut muss als Metapher für ein kurzes menschliches Aufbäumen herhalten, ein grünes Kleid nährt die naive Hoffnung auf eine verheißungsvolle Zukunft, weiße Kleider stehen für zeitlich begrenzte Unbekümmertheit. Bei Peteneras findet die Beerdigung statt, bei Soleá por Bulerías werden Gläser geputzt, bei Tientos streiten sich die Schwestern, bei Verdiales kommt es zur Liebesszene, ein Menuett begleitet den Liebestanz, ein Taranto den Selbstmord. Ein starkes Stück Flamencotheater entlässt das ergriffene Publikum nach neunzig Minuten in eine laue Berliner Sommernacht. Manch einer muss sich noch den tief sitzenden Kloß im Hals wegräuspern oder -spülen.

Ralf Bieniek